Donnerstag, 30. September 2010

Eat Pray Love - mittelmässig, aber wenigstens ein netter Reiseführer

Im Radio hörte ich die Kritik zum Film "Eat Pray Love". Blablabla, ein "netter", "frauentypischer Film halt". Ich weiss nicht, wie es Euch so geht, aber ich empfinde mit diesem Wort sehr oft eine negative Konnotation. Unter der Kategorie "frauentypisch" wird doch meist Zickerei, Hysterie, Gefühlsduselei, also nichts Ernstzunehmendes! verstanden, seien wir doch mal ehrlich! Oder?
Wenn ich sowas höre, habe ich dann schon gar keine Lust, mir den Film anzusehen.
Obwohl ich gerade das Buch lese.
Aber auch das befriedigt mein intellektuelles Bedürfnis nicht besonders und so ertappe ich mich dabei, wie ich ebenfalls denke: "frauentypisch". Bla.
Wahrscheinlich weiss aufgrund des Hypes um den Film bereits die ganze Welt, um was es geht.
Eine 34-Jährige lässt sich von ihrem Mann scheiden, gerät in tiefe Despression, war seit ihrem Teenager-Alter nie allein, ist also immer von einer Beziehung in die nächste gerutscht und jetzt plötzlich nimmt sie sich vor, Gott zu finden. Dafür nimmt sie sich, als gut verdienende amerikanische Autorin, ein Jahr Auszeit, um in Italien, Indien und schließlich auf Bali nach ihm zu suchen.
Ja ok, manchmal erkennt man sich in der Beschreibung ihrer "Gefühlsduselei" oder Despression wieder. Besonders wenn sich der Leser/Zuschauer schon einmal selbst im unberechenbaren Zustand einer Depression befunden hat. Kurz kam in mir die Hoffnung auf, dass die Rezipienten mithilfe von Elizabeth Gilbert's Beschreibung endlich mal die Auswirkung einer Despression begreifen und ernst nehmen würden.
Egal, weiter.
Elizabeth Gilbert hat im Buch viele langweilige Passagen, wenn sie sich dabei verliert, die Kutlur der jeweiligen Länder zu erklären, so sehr, dass man sich in einem Seminar für Kulturgeschichte vorkommt, oder als müsste man für eine Uni-Prüfung lernen und sich daraus bedienen. Übertrieben gesagt.
Aber so sind nunmal nur die wenigen kurzen Passagen über ihre zwischenmenschlichen Erlebnisse "catchy", in denen über Lebenseinstellungen der jeweiligen Völker aus allen Perspektiven diskutiert wird. Nur dann. Denn wenn sie dann wieder beginnt, ihre Selbstreflektion zu reflektieren, gehen meine Augen wieder zu.
Erst jetzt, wo sie in Bali ist, kann ich es kaum erwarten darüber weiter zu lesen. Durch die Beobachtung der Balinesen wird meiner Meinung nach klar, warum viele Menschen in der westlichen Welt so haltlos und desorientiert sind. Ihr Gleichgewicht schaffen sich die Balinesen durch Einhaltung konventioneller Familienstrukturen. Jeder weiss, wo er hingehört - sei es im Familien- oder im gesellschaftlichen Leben. Und jeder scheint tatsächlich dadurch (nicht nur, es spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle, die den Zeitrahmen hier sprengen würden) ausgeglichen und zufrieden zu sein. Ästhetik spielt bei ihnen auch eine wichtige Rolle. Wenn alle schön sind, ist das vielleicht auch ein Grund mehr, warum alle so glücklich sind.
Das Streben nach einer seelischen "Balance", die man wohl besonders mit der balinesischen Kultur erreichen kann, wenn man den Berichten im Buch glauben darf, kann ich also sehr gut nachempfinden.

Trotzdem schaue ich mir den Film, vielleicht auch aufgrund der Landschaften, irgendwann mal nur auf DVD an. Auf keinen Fall gebe ich für so einen "frauentypischen" Film Kinogeld aus.

Vielmehr fange ich lieber an, eine Reise nach Bali zu planen...

1 Kommentar:

  1. Nachdem ich von meinen Mädels in diesen Film gezogen wurde (ohne Witz, ich bin völlig unbekümmert hinein gegangen - unglaublich aber wahr), darf ich Dir vorweg nehmen, das Dein Eindruck genau der richtige ist: ich fand ihn auch nur Bla - und habe mich auch etwas gelangweilt! Und irgendwie habe ich Julia Roberts diese Rolle auch nicht abgekauft,...

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